Mimi spürt das Leben fließen

Ach Kinder, nee. Ich bin so sentimental dieser Tage. Das liegt nicht nur an der Vorweihnachtszeit. Oder daran, dass ein weiteres Jahr zur Neige geht. Nein, vielmehr liegt es daran, dass ich in letzter Zeit mit ziemlich vielen Facetten des Verlustes in Berührung gekommen bin.

Verlust „light“

Fangen wir an mit meinem „Verlust light“ – meine Schwester ist ausgezogen. Jaja, schon klar. Kein großes Drama, andere Familien trennen sich, wenn die Kinder mit der Schule fertig sind und für Job oder Studium weit weg ziehen. Aber das war bei uns halt nicht der Fall. Meine Familie klebt aneinander, auch wenn wir uns häufig lieber eine kleben würden. Wie dem auch sei: Meine Sis wohnt jetzt nicht mal in einer anderen Stadt, sie ist mit ihrer kleinen Familie nur in einen anderen Stadtteil gezogen. Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, dass ich nicht mehr nach einem spontanen Saufgelage bei ihr einfach zu Fuß nach Hause laufen kann oder ich erst durch die halbe Stadt fahren muss, um meine Nichte zu sehen. Außerdem hat sie in einem Haus gewohnt, das unserer Familie gehört. Nun haben meine Eltern beschlossen, diesen Altbau zu verkaufen, den meine Ur-Großeltern Ende der 1890er Jahre gebaut haben. Noch ein Abschied, irgendwie.

Verlust „volle Breitseite“

Dann hat sich etwas zugetragen, das mich auf zweierlei Arten berührt hat. Eine sehr junge Kollegin von mir – sie war erst 30 Jahre alt – ist kürzlich ganz plötzlich gestorben. Ich kannte sie noch nicht lange, aber gut genug um zu bemerken, was für ein wunderbarer Mensch sie war. Ehrlich, direkt, eine Vollblut-Mama, warmherzig und wunderschön. Das alles allein reicht ja schon aus, um eine tiefe Trauer zu empfinden und Mitgefühl für ihre Familie, ihre Eltern, ihre 18 Monate alte Tochter. Aber mich berührte ihr Tod noch auf einer ganz anderen Ebene. Denn meine Kollegin ist an einem angeborenen Herzfehler gestorben. Menschen, die mich gut kennen – oder die, die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wissen, was das bei mir ausgelöst hat. Die Sorge um meine kranke Tochter, auch wenn es ihr laut den Ärzten derzeit gut geht (siehe auch hier, flammte wieder in ihrer ganzen Vehemenz auf und auch, wenn ich in der letzten Zeit gut mit allem umgehen konnte wurde mir durch den Tod meiner lieben Kollegin plötzlich wieder bewusst, wie schnell sich Dinge – und auch Lebenssituationen – ändern können.

Zu alldem kam noch, dass meine Mama plötzlich krank wurde und wir uns große Sorgen um sie machten und eine Freundin von mir wurde in lebensbedrohlichem Zustand mit viel zu hohen Kalzium-Werten im Blut ins Krankenhaus gebracht.

Katie Melua an der Fleischtheke

Darum, Leute, achtet aufeinander. Versucht, euer Leben bewusst zu genießen, wann immer es euch möglich ist. Nehmt euch Zeit für diejenigen, die euch wichtig sind – man weiß nie, wie viel Zeit einem gemeinsam bleibt. Außerdem: Belastet euch nicht mit unnötigem Kram, tut nichts, was euch unglücklich macht und verharrt nicht in Situationen, die euch mehr Kraft kosten als schenken. Genau diesen Rat habe ich erst kürzlich selbst befolgt und mich sowohl innerlich als auch tatsächlich von meiner großen Liebe verabschiedet. Ich konnte es ertragen, dass wir kein Paar waren, solange wir unsere Freundschaft hatten, die wir stets über alles stellten. Aber die Dinge haben sich offensichtlich geändert, es war ein längerer, schleichender Prozess, der mir erst nach und nach bewusst wurde und in keinster Weise von meiner Seite ausging. Doch jetzt sehe ich es klar vor mir und muss akzeptieren, das ich keine Rolle mehr spiele in seinem Leben, das ich so gerne mit ihm geteilt hätte. Auf die eine, aber auch auf die andere Weise. So oder so. Jedoch: „Unwichtigkeit“ in jemandes Leben, ist ein Gefühl, das ich nicht haben möchte. Das Kraft kostet. Dafür bin ich zu alt. Dann lieber einen sauberen Schlussstrich und ich umgebe mich mit den Menschen, die wirklich an meinem Leben teilhaben möchten. Und so wird mir dieser Tage mehr als bewusst, was es bedeutet, dass das Leben ständig im Fluss ist. Nichts bleibt wie es ist, es geht bergauf und bergab. Menschen ändern sich, genau wie Ziele oder Prioritäten. So ist es eben. Das Leben ändert sich. Was sich für mich allerdings vermutlich nie ändert, ist die Tatsache, dass mir bei Katie-Melua-Songs die Tränen kommen. Sogar dann, wenn ich zwischen lauter Menschen bei Rewe an der Fleischtheke stehe, die von meinem Liebeskummer nicht die geringste Ahnung haben.

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