Empathie statt Eislauf-Mütter

Ich bin ja manchmal ein Naivchen. Ich glaube immer an das Gute im Menschen und habe darum eine katastrophale Menschenkenntnis. Oder ich denke mir: „Joar, so ab 14 Uhr keine Kohlenhydrate mehr essen müsste reichen, um etwas abzunehmen ( – und denke dann auch in diesen Momenten wirklich, ich würde das durchhalten. Pahahahaha!). Und kürzlich erst fand ich: Mann, so bloggen hat ja Style und ist echt cool und ein super Ventil für mich. Stimmt ja auch im Großen und Ganzen. Aber bloggen ist auch Arroganz, Missgunst – und innerer Stress. Ein Klassentreffen von Eiskunstlauf-Müttern (und -Vätern), sozusagen.

 

Ja, die Krone ist noch neu. Und klein. Vor allem klein. Also mein Blog ist klein…..ach, ihr wisst schon. Und wahrscheinlich wäre es daher ratsam, nicht schlecht über Kollegen zu schreiben – darum tue ich das auch nicht. Zumindest nicht wirklich.

Allerdings werde ich euch nun ein paar Einblicke geben, damit ihr vielleicht ein bisschen nachvollziehen könnt, warum es bei mir nicht regelmäßig und hochfrequentig (Hand aufs Herz: Wie viele von euch haben jetzt hochprozentig gelesen?) neue Blogposts gibt.

Als ich im August anfing, die Krone neu zu gestalten und professioneller aufzubauen, wusste ich nicht so wirklich, wohin die Reise gehen soll. Also habe ich mich – um mich besser zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und mit Kollegen auszutauschen – in diversen Blogger-Gruppen angemeldet. Ich habe dort viele wirklich tolle Leute kennen gelernt, die warmherzig und freundlich sind und Newcomern sehr gerne helfen. Es gibt da aber auch einen großen Teil an Menschen, die sich in den Gruppen daran erfreuen, kleinere Blogs auseinander zu nehmen und richtiggehend gehässig zu werden. Da werden dann solche Sachen geschrieben wie „Ach, noch ein neuer Food-Blog, hm, jaja, wie niedlich. Kannste ja versuchen, wird halt nur nix bringen“ oder „So willst du dich in der Masse durchsetzten? Oh!“ oder „Mach lieber was anderes. Echt.“.

Eine Kollegin, die einen wirklich tollen Reiseblog führt und ihre Erfahrungen mit poetischen, wunderschönen Texten beschreibt, wurde in einer Gruppe von Kollegen hart angegangen, sie solle doch bitte lieber ein Buch verfassen, da ihre Schreibe ja ganz nett sei, der Blog aber genau wie 1000 andere wäre und keinerlei Mehrwert böte. Nunja, es ist schwer, in der durchaus recht mannigfaltig ausgeprägten Deutschen Blogger-Landschaft auf seiner eigenen Seite jedes Mal das Rad neu zu erfinden. Da ist es doch eine schöne Begebenheit, wenn jemand, der zum 1000sten Male das Rad beschreibt, dies in sprachlich versierter und unterhaltsamer Weise tut. Außerdem: Ich wusste gar nicht, dass ein Buch schreiben und veröffentlichen so einfach ist!?

Wer ist eigentlich dieser Mehrwert, von dem alle reden?

Und überhaupt, dieses Unwort „Mehrwert“. Seitdem ich blogge, schwirrt mir immer dieser verf*ckte Begriff im Kopf herum. Und setzt mich total unter Druck. Überall in den einschlägigen Blogger Gruppen ließt man: „Deine Texte haben keinen Mehrwert für den Leser“ oder:  „Ich will in jedem einzelnen Text auf allen Blogs der Welt etwas Neues erfahren oder zumindest an etwas im Hirn Verschollenes erinnert werden“ (das habe ich echt so gelesen) und – auch gern gesehen-  „Du musst aber auch bei mir liken, wenn ich bei dir like, sonst entfolge ich dir wieder. Sei mal etwas engagierter, sonst bringst du der Gruppe keinen Mehrwert!!“ Ahhhhhhhhh…(und: Sorry, dass ich noch ein Leben außerhalb meines Blogs habe!)

Natürlich schlägt das jemandem wie mir total auf den Magen. Wer mich kennt, der weiß: Die Unsicherheit, die ich gegenüber meinen Texten an den Tag lege, ist keine Koketterie. Sie ist echt. Ich weiß so schon nicht, ob es überhaupt jemanden interessiert, was ich zu sagen habe oder ob es wen gibt, dem meine Texte womöglich sogar gefallen. Wie soll es denn dann für mich möglich sein, irgendeinen Mehrwert für den Leser festzumachen?

Und in den letzten Tagen habe ich gemerkt, dass ich mir dahingehend eine Frage stellen muss. Und zwar: „Was willst DU – Mimi – mit diesem Blog erreichen?“ Viele, die sich diese Frage (natürlich das „Mimi“ mit dem eigenen Namen ersetzt) stellen, geben die Antwort: „Profit. Ich will mit meinem Blog Geld verdienen.“ Ich habe festgestellt, das dieses Bestreben nicht mein Antrieb ist. In allererster Linie, schreibe ich die Krone für mich. Weil ich wahnsinnig gerne schreibe und so meine Gefühle und Gedanken am besten kanalisieren kann. Und in zweiter Linie schreibe ich für meine Leser, damit sie vielleicht irgendwann mal denken: Ah, ich bin in dieser Situation nicht allein“ oder: „Ach, das kenn‘ ich auch“ oder damit sie einfach mal wieder abgelenkt sind von ihrem Alltag.

Ich will aber nicht jedes Mal einen Mehrwert liefern müssen, die ultimativen Tricks fürs Überleben, die Kindererziehung, das Besiegen einer Depression oder das Vergessen der großen, unglücklichen Liebe. Die habe ich nämlich nicht. Mein Trick das alles zu bewältigen ist scheiben. Und zwar exakt dann, wenn ich gerade Lust darauf habe. Und nicht das Gefühl zu haben, ich müsse nur regelmäßig irgendwelchen Content liefern, damit mein Account wächst und erfolgreich und groß wird. Ich möchte empathisch und authentisch bleiben und keine Eislauf-Mutter werden. Ich möchte einfach nur schreiben.

Früher nannte man Blogs noch „Online-Tagebücher“. Und genau so etwas soll die Krone sein. Mein Tagebuch. In das ich meine Gedanken, Sorgen, Erlebnisse und Erfahrungen schreibe. An dem ihr teilhaben könnt. Und wenn es nur einem einzigen von euch den Tag versüßt – auf welche Art auch immer und auch, wenn ich davon vielleicht gar nichts mitbekomme – und ihr erkennen könnt, dass ich dadurch meinen Kummer, Ärger oder sonst etwas bewältigen konnte, dann ist mir das viel mehr Wert als Wachstum und Likes.

Das wollte ich mir nur mal von der Seele schreiben.

14 Kommentare zu „Empathie statt Eislauf-Mütter

  1. Ich bin zwar auf deinen Blog aufmerksam geworden weil ich auch depressiv bin, geblieben bin ich aber, weil ich es toll finde einen Blog zu lesen der so ehrlich und ohne finanziellen Hintergedanken geschrieben ist. Es fühlt sich ein bisschen an wie damals, als man in der Schule eine Brieffreundschaft hatte.
    Mach weiter so!
    Lg

    Gefällt mir

  2. Liebe Mimi! Ich lese deinen Blogg sehr gerne und kann deinen Antrieb total nachvollziehen! “Tu, was du nicht lassen kannst!“
    Kehre einfach “Mehrwert“ in “Nährwert“ um! Du gibst deinen Lesern mit deinem Blogg sehr viel!
    Leider ist unsere Gesellschaft total konsumgesteuert, was ich sehr sehr schade finde und es auch nicht für besonders “echt“ halte! Dieser Kommerz zerstört meiner Meinung nach alles, was das Herz bewegt! Fatal und grausam und vor allem “armselig“!
    Höre auf dein Herz und tue, was dir gut tut!
    Mit tut dein Blogg gut und deshalb lese ich ihn auch!
    Mache weiter so… Du machst das toll!

    Gefällt mir

  3. Und vorhin als ich an der Nähmaschine saß dachte ich mir „Hmmm. Für den Blog könntest du auch mal wieder was tun. Nicht nur völlig verspätete Updates zu Geburtstagen und Schwangerschaft.“ Aber es gibt eben wichtigeres als das, man braucht einfach auch Zeit für sich. Von daher passt dein Text so perfekt gerade, dass ich nur ganz laut DANKE sagen kann. So habe ich ein bisschen weniger „Druck“ etwas für den Blog zu tun. Eben weil ein Blog nicht immer regelmäßig was bieten muss, sondern auch einfach mal ne Weile ruhen darf. Und eben nur dann „lebt“ wenn man selbst Lust drauf hat, unter Druck haben meine Texte eh selten soetwas wie eine Seele und noch weniger Mehrwert.
    Also in diesem Sinne Danke und noch einen schönen Abend für euch, wir gönnen uns gleich das Staffelfinale der 11. Von Supernatural 😊
    Liebste Grüße
    Frau Kröhnchen

    Gefällt mir

    1. Ehrlich gesagt bin ich von der ganzen Resonanz echt verblüfft. Mit so viel Verständnis und lieben Worten hätte ich nie gerechnet. Und am allerschönsten ist es, dass ich dir und euch ein bisschen Helfen konnte.
      Und zum Staffelfinale sag bloß nix. Ich verdaue gerade das der 9. Staffel. Oh Mann ey.

      Gefällt mir

  4. schade jetzt hast du das geschrieben — da kann ich wohl nicht mehr, kein Mehrwert mehr, was?!?
    danke, das sind so häufig meine gehangen beim bloggen. ich werd mir mal deinen blog anschauen u liken… vlt auch folgen. saugut!!

    Gefällt mir

  5. Mir gefällt deine Einstellung. Von solchen Blogger-Gruppen habe ich schon mal gelesen, aber das sie so vernichtend sein können, ist mir neu.Ich bin froh, dass ich auf meinem Blog schon immer mein eigenes Ding gemacht habe. Wenn alle sich immer an diese tollen Vermarktungsregeln halten würden, wäre doch sowieso alles gleich 😉
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt mir

  6. Dieser unsägliche Mehrwert! Mich macht die andauernde Forderung danach auch völlig verrückt, zumal ich immer wieder feststellte, dass ich selbst viel lieber Blogs lese, die schlichtweg eine eigene Persönlichkeit, einen individuellen Stil haben – und nicht solche, die auf Mehrwert getrimmt sind!

    Liebe Grüße,
    Myriam

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s