Was lange währt, wird endlich gut

Hab ich euch eigentlich schon mal erzählt, wie froh ich bin, dass ich meine Schwester habe? Nein? Nun denn, so wird es Zeit. Allerdings muss ich dazu sagen, dass das nicht immer so war. Wie sich das für ordentliche Geschwister gehört, haben wir uns zwischendurch gefetzt wie die Lords der sieben Königslande um den Eisernen Thron. Nur mit etwas weniger Mord und Totschlag. Aber nur etwas.

Sagen wir mal so: Als wir Kinder waren, hat sie mich blutig gebissen, dafür habe ich sie vom Wickeltisch fallen lassen. Damit wären wir vorerst mal quitt. Denke ich. Nichtsdestotrotz (Das schreibt man wirklich so. Ich habe nachgeguckt!) hatten wir es nicht immer leicht miteinander. Vor allem sie nicht mit mir.

Hammer und Spiegel

Das Zweitschlimmste an meiner Schwester ist, dass sie einem IMMER sagt, was sie denkt. Das Schlimmste ist, dass ihr das Sensibel-Gen fehlt. (Im Gegensatz zu mir. Was ich zu viel habe, hat sie zu wenig. Ist mit allem so. Brüste. Hunger. Und eben auch Sensibilität. Soll heißen: Ich bin eher so Typ „weinerliche kleine Pussy“ und Schwesterscherz ist Marke „Holzhammer“). In Gemeinschaft ergibt das eine hochexplosive Mischung, die früher für mich schon im Allgemeinen nur schwer, zu meinen schlimmsten Zeiten (Die dunkle Bedrohung lässt grüßen) aber gar nicht auszuhalten war.

Das Ding an der Sache allerdings ist: Meine Schwester ist großartig und die meiste Zeit, hat sie mit dem, was sie sagt, recht. Und ich habe ihre zumeist schonungslose Ehrlichkeit nicht ausgehalten, weil ich einfach noch nicht so weit war. Denn mal ganz ehrlich: Wenn man Mist baut und man weiß das auch, dann will man einfach nicht den Spiegel vorgehalten bekommen. Dann will man unbedingt, auch vor sich selbst – am meisten vor sich selbst – die Scheiße, die man verzapft hat als nichtig oder legitim verkaufen.

Verantwortung für sich selbst übernehmen? Whäh!

Und es war so viel einfacher zu sagen: „Eww, meine Schwester hat sich schon wieder voll in meinen Kram eingemischt und wie unverschämt sie mir gegenüber war…“. Man heimste Mitleid wegen der verfluchten Verwandtschaft von falschen Freunden ein und >zack< fühlt man sich schon viel besser. Aber irgendwann kam der Wendepunkt in meinem Leben (diese Geschichte ist aber eher was für den Selbstoffenbarungs-Sonntag) und ich habe mich und alles was mich umgibt und ausmacht hinterfragt und frei nach dem Motto „love it, change it – or leave it“ ein bisschen aufgeräumt. Und ich habe einfach erkannt, dass ich nie meine Schwester ändern wollte, sondern mich. Und nur so funktioniert es. Es sind nicht die anderen, die sich ändern müssen um glücklich zu sein. Es ist immer man selbst. Oder wie Captain Jack Sparrow einst sagte: „The Problem is not the problem. The problem ist your attidude about the problem!“

Jetzt ist meine Schwester immer noch ein Bollerkopp (ein wunderschöner Bollerkopp, muss ich dazu sagen) – aber ich nehme ihre Einschätzungen, Meinungen, Ansichten und Tipps ganz anders wahr. Und zweifele nicht sofort an der grundsätzlichen Existenz ihrer Liebe zu mir, wenn sie mich kritisiert. Sie ist übrigens der erste Mensch, bei dem das nach meiner „Verwandlung“ funktioniert.

Danke

Auch wenn es niemand – am wenigsten wir beiden – für möglich gehalten hätte: Du bist in den letzten Jahren zu meinem engsten Berater und meiner besten Freundin geworden, meinem sicheren Hafen. Ich freue mich so sehr, dass es zwischen uns ist, wie es ist und ich werde alles dafür geben, dass es auch so bleibt. Ich liebe dich, Schwesterscherz.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s