Wann ist Zeit für neue Zeiten?

Kennt ihr das? Ihr habt die Liebe eures Lebens gefunden – nur leider liebt diese euch nicht zurück. Und ihr braucht sehr, sehr, sehr lange, um das erstens zu begreifen, zweitens zu akzeptieren und drittens euch frei zu machen für etwas Neues. Für die Punkte eins und zwei habe ich ganze neun Jahre gebraucht. Bei Punkt drei bin ich mir noch immer nicht sicher.

Der Eine

Ich habe jemanden kennengelernt. Eine wunderschöne, fröhliche, offene, kluge, charmante, gut riechende, trinkende,  fluchende – kurz: eine einfach tolle Frau. Die erste Frau, mit der ich mir tatsächlich vorstellen könnte, etwas langfristiges aufzubauen. Seit meinen mittleren Teenager-Tagen weiß ich, dass ich zur Bisexualität neige. Soll heißen: Ich hatte Sex mit Frauen – aber noch nie eine feste Beziehung. Meine Lebenspartnerschaften – inklusive einer Ehe – erlebte ich ausschließlich mit Männern. Es waren schöne, aufregende, katastrophale und zum Teil bis heute noch bestehende, freundschaftliche Beziehungen. Und es gab die eine. Die eine, die ich mehr als alles in der Welt wollte und die nie wirklich zustande kam. Wir kennen uns seit neun Jahren und ich war vom ersten Moment an verliebt in diesen Mann. Doch schon unser Kennenlernen stand unter keinem guten Stern: Er fand mich zwar auch toll – jedoch näherte er sich zu diesem Zeitpunkt gerade wieder seiner Ex-Freundin an, seiner großen Liebe, die sich ein paar Monate zuvor von ihm getrennt hatte. Wäre ich vielleicht nur acht Wochen eher in sein Leben getreten, hätte die ganze Geschichte vielleicht ein anderes Ende genommen. So war es ein jahrelanger Kampf zwischen „on und off“, sowohl zwischen ihm und seiner Ex und ihm und mir. Insgesamt eine sehr anstrengende Zeit. Vor etwa zwei Jahren habe ich dann begriffen und etwas später auch akzeptiert, dass es zwischen uns einfach nicht funktioniert.

Anleitung zum loslassen bitte!

Was ich allerdings noch nicht so gut hin bekomme, ist die Sache mit dem Loslassen. Wir sind noch immer befreundet und ich werde den Teufel tun und diesen Umstand ändern. Denn unsere Freundschaft war immer unantastbar und stand über allem. Allerdings lebt trotz aller Akzeptanz der Tatsachen immer noch ein Fünkchen Hoffnung in mir, dass es vielleicht irgendwann noch etwas aus uns wird. Ein Paar, ein Ehepaar, eine Familie. Ehrlicher Weise muss ich dazu sagen, dass es tatsächlich nicht den kleinsten Hinweis auf ein Eintreffen dieses Szenarios gibt. Trotzdem liebe ich ihn. „Really, Mimi? After all this time?“ höre ich Albus Dumbledore mich fragen. „Always!“ Ich würde die gleiche Antwort geben, wie Severus Snape.  Aber was nun tun mit der einhorngleichen Hafenarbeiterin vom Anfang des Textes? Ich habe in den ganzen neun Jahren mit meinem Herz-Phantom zwei, drei Date-Anfragen von anderen bekommen. Die ich immer abgelehnt habe. Weil ich nicht konnte, weil ich nicht wollte. Seinetwegen. Doch dann kam das schöne Fräulein aus der Nachbarschaft und berührte mich irgendwie. Weil sie eine Frau ist und ich nie wieder einen Mann so lieben könnte, wie IHN? Oder weil ich tatsächlich bereit bin für etwas Neues?

 

Ich merke, dass ich gerne mit ihr schreibe und auch Zeit mit ihr verbringe. Sie bringt mich zum Lachen und ich fühle mich wohl. Ich merke aber auch, dass ich die Sache irgendwie mit angezogener Handbremse angehe. Vielleicht weil ich Angst habe, ihr weh zu tun, weil ich ihn immer noch nicht losgelassen habe. Und das hätte sie nicht verdient. Absolut nicht. Was aber, wenn das jetzt WIRKLICH etwas Gutes ist und ich es kaputt mache, bevor es richtig angefangen hat, nur weil ich mir selbst im Wege stehe? Hätte hätte Abwehrkette – egal, wie ich es drehe und wende: Ich werde offen und ehrlich zu ihr sein und ihr sagen, wie es um mich steht. Auch wenn es unangenehm wird. Denn ich möchte nicht diejenige sein, die diesem wahnsinnig tollen Wurstmädchen das Herz bricht.

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